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Kräftiges Wachstum an der „neuen Chiemgau-Arena“


Das Biathlonstadion im Nordischen Bundesstützpunkt Ruhpolding wird für die WM 2012 umgebaut


Wer in diesen Tagen auf dem Weg von Ruhpolding nach Reit im Winkl die Chiemgau-Arena passiert, sieht dort, wo die weltbesten Biathleten jedes Jahr im Januar um Weltcup-Ehren gekämpft haben, eine riesige Baustelle, auf der sechs Kräne, diverse Baumaschinen, Lastwagen und nach oben strebende Rohbauten das Bild beherrschen: Am Fuße des Zirmbergs schaffen die Bauarbeiter mit Hochdruck daran, bis zum Jahresende 2010 das Stadion für die Biathlon-Weltmeisterschaft 2012 auf den neuesten Stand zu bringen. Denn bereits vom 12. bis 17. Januar 2011 treffen sich Michael Greis, Magdalena Neuner  und deren Kollegen aus der Weltelite  beim Weltcup zur WM-Generalprobe, und gut ein Jahr später, vom 29. Februar bis 11. März 2012, geht es an dieser Stelle um Medaillen: Dann ist Ruhpolding zum vierten Mal nach 1979, 1985 und 1996 Gastgeber für eine Biathlon-Weltmeisterschaft.

Erste Erkenntnis der Besichtigung: Von dem alten Funktionsgebäude, das zur Weltmeisterschaft 1996 errichtet worden war, ist nichts mehr zu sehen, auch nicht vom sogenannten Containerhaus, das den Sportlern, Dopingkontrolleuren und Kampfrichtern zur Verfügung gestanden hatte. Baumaschinen auch auf den Wettkampfstrecken, die erheblich breiter angelegt und auch in ihrem Verlauf stark verändert werden.

Engelbert SchweigerStadionleiter Engelbert Schweiger, Vizepräsident des Organisationskomitees (OK)  für die Weltcups und die Weltmeisterschaft 2012, ist durchwegs mit den Baumaßnahmen beschäftigt, und er sieht dies als eine besondere Herausforderung in seinem Berufsleben an. Zudem sollen die Trainingsbedingungen für die Leistungssportler des DSV-Bundestützpunkts so gut wie möglich aufrecht erhalten werden.

Wer das frühere Stadion gekannt hat, wird sich lediglich am „Omega“ (der Schleife mit Anstieg kurz nach dem Start), der Strafrunde und dem Schießplatz orientieren können – hier gab es die geringsten Änderungen. Dagegen entsteht anstelle des bisherigen, holzverkleideten Funktionsgebäudes  ein mehrstöckiger Bau, in dem Dopingkontrolle sowie Sanitär- und Aufenthaltsräume für die Sportler (Erdgeschoss), ein großes Pressezentrum (1. Stock), Verpflegungsbereich (2. Stock) und die Technikräume (3. Stock) untergebracht werden. Unmittelbar davor entstehen die Zuschauerränge für rund 12.000 – 14.000 Personen mit der Ehrentribüne in der Mitte sowie je zwei Blöcken westlich und östlich davon. Der Schießstand wird um drei Plätze nach Osten versetzt, was vor allem den Fotografen wesentlich bessere Arbeitsbedingungen ermöglichen wird.

Die Fläche hinter dem Hauptgebäude steht den Medien, vor allem Fernsehen und Rundfunk,  zur Verfügung; im Sommer dient sie als Skiroller-Trainingsfläche. Test- und Warmlaufstrecken werden ebenfalls hinter dem Stadiongebäude angelegt.

Gut zu sehen ist bereits die Brücke, unter der Zuschauer ins Stadion gelangen. Sie werden zunächst vom Shuttle-Terminal auf der gegenüberliegenden Seite der Bundesstraße  unter dieser hindurch auf einem breiten Weg an der Langlauf-Hütt’n vorbei zum Eingang geleitet, und danach verteilen sie sich in den Arena- und den Streckenbereich. Über den Eingang führt die durchgehend 14 Meter breite Wettkampfloipe, die in einigen Abschnitten erheblich verändert wird. Bei der Wende am Fischbach haben die Loipenplaner eine weitere Schleife vorgesehen, die im Ruhpoldinger Jargon „Schoadhaufennock“ heißt. Von dort geht es über den Schießstandberg zurück Richtung Stadion. Auch hier hat sich Gravierendes getan, das vor allem die Sportler zum Umdenken zwingt: Bisher ging’s zum Schießplatz leicht bergab, doch jetzt wird das Gelände so abgetragen, dass die Biathleten auf ebener Fläche ins Stadion einlaufen. Schweiger sieht darin Synergieeffekte: „Den Aushub können wir an anderer Stelle des Stadions brauchen. So sind wir nicht darauf angewiesen, das Erdmaterial mit hohen Kosten von auswärts heranzuschaffen.“

Die Baustelle eröffnet auch einen Einblick in das „Innenleben“ des Stadions, denn unter der Oberfläche werden viele Kilometer Wasser-, Abwasser- und Stromleitungen verbaut. Die Energieversorgung erfolgt mittels einer Grundwasser-Wärmepumpe.
Bei den Planungen für die neue Chiemgau-Arena sind auch die ökologisch sensiblen Bereiche berücksichtigt worden. Es mussten insgesamt 27 öffentlich-rechtliche Genehmigungen eingeholt werden. Bei den einzelnen Fachplanungen ging es, so Schweiger,  auch darum, die Verzahnung der einzelnen Bereiche optimal abzustimmen. So sind insgesamt 15 Planungsbüros und Gutachter an der Gesamt-Baumaßnahme beteiligt und über 60 Baugewerke wurden zum Teil in EU-weiten Vergabeverfahren vergeben. Die „neue Chiemgau-Arena“ soll für künftige Großveranstaltungen im Bereich Biathlon und auch Nordisch mit bis zu 30.000 Besuchern pro Wettbewerb bestens gerüstet sein.


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